Ist in der Schweiz ein Serienmörder am Werk?

Ungeklärte Mystery-Morde

Am 15. Dezember 2015 begeht der unbekannte Täter im Kanton Bern seine letzte Tat. Dort ermordete er zwei Menschen. Der erste Mord hingegen ereignete sich am 15. Dezember 2010 im Zürcher Seefeld. Zwischen den Opfern wurde keine Verbindung entdeckt, doch an den Tatorten fand man Spuren derselben DNA.

Spuren einer grausamen Tat

Es ist der 15. Dezember 2010. Es liegt pulvriger Schnee im Zürcher Seefeld, die Temperaturen sind frostklirrend. Der Fund an der Wildbachstrasse 66 lässt das Blut in den Adern gefrieren: Die Psychoanalytikerin Ana Maria M.* (†56) liegt tot in ihrer Praxis. Am Tatort hinterlässt der Täter zwar Spuren, aber trotz Massen-DNA-Tests von 400 Männern kann er nicht ermittelt werden.

Elf Jahre danach rätseln die Ermittler weiter: Wer ist der Mystery-Mörder, der die Psychoanalytikerin am 15. Dezember 2010 in ihrer Praxis erstochen hat? Wer ist der Mann, der fünf Jahre danach auf den Tag genau in Laupen BE das Ehepaar Georges S. (†74) und Frau Gerda K. (†64) ermordete? Der Täter konnte bis heute nicht geschnappt werden. Zu Laupen hatte Ana Maria M. scheinbar keinen Bezug, ausser, dass sie in den 90er-Jahren in Ostermundigen BE, rund 25 Kilometer von Laupen entfernt, gelebt hatte. Ist das möglicherweise der fehlende Link?

Dem Täter auf die Spur

Letztes Jahr – ebenfalls am 15. Dezember – fürchteten die zuständigen Ermittler, dass derselbe Täter wieder zuschlagen würde. Bis heute ist aber keine weitere Tat bekannt.

Trotzdem: Wenn mehrere Tötungsdelikte am gleichen Datum von gleichen zeitlichen Abständen begangen werden, bietet dies Anlass zu Spekulationen.

Die gesicherte DNA-Spur war identisch mit der DNA, die vom Zürcher Tötungsdelikt stammte. Laut dem zuständigen Zürcher Staatsanwalt konnte eine Kontaminierung der DNA ausgeschlossen werden. Sowohl in Zürich, als auch in Laupen führte die Polizei im Umfeld der Opfer Massen-DNA-Tests durch.

Trotzdem konnte die an beiden Tatorten gesicherte DNA-Spur noch niemandem zugeordnet werden. Die Identität des Täters ist also nicht geklärt, seine DNA-Spur befindet sich nicht in der nationalen DNA-Datenbank.

Das erste Opfer wohnte früher in der Region Bern

Neben der identischen DNA-Spur gibt es weitere Parallelen zwischen den beiden Tötungsdelikten in Zürich und Bern. Beide ereigneten sich an einem 15. Dezember. Inwiefern das identische Datum Zufall ist oder nicht, liess sich bislang nicht klären. In Zürich war die Tatwaffe ein Messer, in Bern wiesen beide Opfer Verletzungen von scharfer, wie auch massiver stumpfer Gewalteinwirkung auf. In beiden Fällen gibt es keine Hinweise auf einen Raub.

Staatsanwalt hofft auf neues DNA-Gesetz

Die wohl grösste Hoffnung der Ermittler der Mordfälle in Zürich und Laupen BE ist die an den Tatorten gefundene identische DNA-Spur der mutmasslichen Täterschaft.

Hoffentlich wird die verdächtige Person bei einem anderen Verbrechen erwischt. Danach könnte diese Spur mit der DNA-Tatort-Datenbank abgeglichen werden, wo sämtliche Tatortspuren von Verbrechen abgelegt werden.

Ein Rest Hoffnung bleibt

Dennoch: Bis heute tappen die Ermittler im Dunkeln. Sie stellten 30’000 Franken für Hinweise in Aussicht. Doch laut der Kantonspolizei Bern sind bislang trotzdem keine konkreten Informationen eingegangen, dies sei ungewöhnlich.

Ob die Mystery-Morde wohl jemals geklärt werden können, steht in den Sternen. Vielleicht findet die Polizei den Täter einmal durch einen Zufallstreffer.

Update: Verdächtiger gefasst

Nach langjährigen Ermittlungen gab die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft bekannt, dass ein 45-jähriger Spanier, der dringend verdächtigt wird der Täter zu sein, festgenommen wurde. Die Kantonspolizei Bern hielt ihn bei seiner Einreise in die Schweiz an.