Das Darknet und Deep Web: Wo Suchmaschinen gar nichts finden

Im digitalen Niemandsland des Internets

Wenn vom Darknet/Deep Web die Rede ist, denken die meisten wohl an Waffenhandel, harte Pornographie und illegale Drogen. Kurzum: Der verborgene Teil des Internets, welcher als Tummelplatz für kriminelle Machenschaften aller Art dient. Und fast jeder hat Geschichten gehört, nach denen im Darknet Menschen oder sogar Morde gehandelt werden.

Dabei handelt es sich definitionsgemäss nur um jenen Bereich des Internets, der von keiner bekannten Suchmaschine gefunden wird, weil Daten codiert oder durch Passwörter geschützt sind. Zum Deep Web gehören auch die geheimsten Algorithmen von Google, Facebook und die Websites der Geheimdienste. Dass trotzdem so negativ über das verschlüsselte oder anderweitig unzugängliche Internet gedacht wird – Schätzungen zufolge ist es um ein Vielfaches grösser als das bekannte Clear Web – ist dabei für sich genommen schon bemerkenswert.

Wie es der Name schon andeutet, ist das Darknet ein dunkles, also ein verborgenes, Netzwerk. Dabei ist es nicht getrennt vom sichtbaren Internet, dem Clear Web, sondern hängt mit diesem zusammen. Grundsätzlich sollte man wissen, dass das gesamte Internet aus drei wesentlichen Komponenten besteht:

  1. Das Clear Web: Das ist der Bereich des Internets, in dem wir shoppen, mit Freunden chatten oder auf Social Media unsere Bilder hochladen. Dieser leicht zugängliche Teil des Internets ist jedoch nur ein kleines Fragment des gesamten Internet.
  2. Das Deep Web: In diesem mit Abstand umfangreichsten Bereich (ca. 90% des gesamten Internets) befinden sich Firmendatenbanken, Streaming-Server, sowie Online-Speicher. Grundsätzlich steht das Deep Web allen offen, viele Inhalte sind jedoch geschützt, um bspw. Unternehmensgeheimnisse zu schützen.
  3. Das Darknet: Dieser Raum des Internets ist ein vergleichsweise kleines Teilstück des Deep Webs. Es ist nicht auf herkömmliche Weise auffindbar, die Kommunikation wird verschlüsselt und die Urheber der Inhalte sowie seine Besucher bzw. Konsumenten wollen möglichst anonym bleiben.

Das Deep Web

Besonders grosse Neugier zieht dabei jener Bereich des Deep Web auf sich, in dem gezielte Anonymität erzeugt wird. Wer mit grossem Eifer und ausgefeilter Netzwerktechnik seine Daten verschlüsselt, so das Vorurteil, muss Böses im Schilde führen. Hier fällt dann häufig der Begriff Darknet. Aus dem Blick gerät die Tatsache, dass das wohl bekannteste Anonymisierungsnetzwerk, der Tor Browser (ein Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten), ursprünglich für das amerikanische Verteidigungsministerium entwickelt wurde. Es ist paradox: Einerseits ist das Tor-Netzwerk für die Polizei ein Sorgenkind – auch für die Suchmaschinen wie Google oder Bing stellt es eine Gefährdung ihres derzeitigen Geschäftsmodells dar – andererseits wird seine Weiterentwicklung laut Tor-Homepage sowohl von der amerikanischen Regierung als auch von dem kalifornischen Internetriesen unterstützt.

Darknet und Tor-Netzwerk

Webseiten des Darknets sind nicht durch die üblichen Suchmaschinen oder Browser auffindbar. Nur mit Hilfe von Anonymisierungsnetzwerken wie der bereits erwähnte Tor-Browser („The Onion Router“) sind Seiten im Darknet entweder direkt oder über Darknet-Suchmaschinen abrufbar. Die Seiten sind demnach meist nur direkt (Peer-to-Peer) abrufbar und wenn man die genaue URL kennt.

Darknet und Deep Web – wo liegen die Unterschiede?

Das Deep Web macht etwa 90% des gesamten World Wide Web aus. Seiten des Deep Web sind nicht indexiert und somit nicht über Suchmaschinen erreichbar. Das Deep Web besteht aus Datenbanken, Webseiten und Services, die zu Unternehmen, Behörden oder Universitäten gehören. Diese Inhalte sind meist zahlungspflichtig oder beispielsweise passwortgeschützt, aber harmlos. Für das Darknet braucht man hingegen spezielle Software und seine Inhalte haben häufiger kriminellen Hintergrund.

Ist das Darknet Tummelplatz für Kriminelle?

Einerseits ja. Das Darknet ist tatsächlich Handelsplatz für Straftaten und illegale Güter aller Art, in dem die Angebote meist mit sogenannten Kryptowährungen bezahlt werden. Aufgrund der verschlüsselten Kommunikation und der damit einhergehenden Anonymität nutzen Kriminelle das Netz aus. Hier liegen auch die grössten Gefahren des Darknets: Das Risiko der Verbreitung von Schadsoftware ist hier höher als im Clear Web. Besucher können hier auf dubiose Angebote innerhalb des Darknets hereinfallen und sich so entweder strafbar machen oder mit kriminellen Organisationen in Kontakt geraten.

Andererseits bietet die verschlüsselte Struktur für Journalisten, Verfolgte oder politisch Oppositionelle die Möglichkeit, auf regional gesperrte Inhalte zuzugreifen, Zensur zu umgehen oder mit anderen Menschen zu kommunizieren.

Die Anonymität erlaubt journalistischen Quellen, in einigen Fällen unerkannt zu bleiben und Whistleblowern, ihre Entdeckungen mit der Öffentlichkeit zu teilen. Wie in vielen anderen Fällen stehen Deep Web und Darknet für etwas, das sowohl für nützliche wie auch für schädliche Absichten verwendet werden kann.

Darknet – was ist erlaubt, wann mache ich mich strafbar?

Das Bewegen im Darknet alleine ist nicht illegal, wenn auch ein Sicherheitsrisiko. Durch die vielen Geschichten, die rund um das Darknet kursieren und die Anonymität der Nutzer, kommt leicht der Eindruck auf, das Netzwerk sei per se unzulässig. Straffällig wird man tatsächlich, sobald z.B. illegale Inhalte konsumiert werden oder rechtswidrige Waren und Dienstleistungen erworben werden.

Auch der Verkauf solcher Güter ist unter Strafe gestellt. Hier unterscheidet sich das Darknet kaum von der physischen Welt: Was außerhalb des Internets illegal ist, bleibt es auch im Internet – egal ob Clear Web oder Darknet.